Ausführliche Anleitung zum Rappen, Teil 1

Ausführliche Anleitung zum Rappen, Teil 1

Ohne Rap wäre der HipHop undenkbar. Und mit der richtigen Anleitung kann jeder die Kunst des Rappens erlernen.

Die Beats und die Melodie eines Songs werden durch den Text mit Leben gefüllt. Beim Rappen wird dieser Text nicht melodisch gesungen, sondern gesprochen. Deshalb lautet das deutsche Wort für den Rap auch Sprechgesang.

Dabei ist das Rappen letztlich, genauso wie das Singen oder das Spielen eines Instruments, eine Technik. Im Umkehrschluss bedeutet das wiederum, dass jeder lernen kann, zu rappen. Natürlich bringt der eine von Haus aus etwas mehr Talent mit und tut sich insgesamt leichter als ein anderer.

Doch mit Geduld kommt jeder ans Ziel. Durch das regelmäßige Üben entwickelt der Rapper nämlich ein immer besseres Gefühl für die Sprache und kann sie zunehmend gezielt und bewusst einsetzen. Lernt er dann noch technische Aspekte, beispielsweise was die Atmung oder die Lautstärke angeht, klappt der Rap immer besser. Wobei das Üben nie aufhört.

Auch ein ausgebildeter Musiker muss schließlich regelmäßig üben, genauso wie ein Sportler kontinuierlich trainiert. Nur: Wie wird denn nun gerappt? Wir haben eine ausführliche Anleitung zum Rappen zusammengestellt.

Hier ist Teil 1!:

 

Der Aufbau eines Rap-Textes

Zu den wichtigsten Elementen beim Rappen gehören die Inhalte. Denn ohne Inhalte gibt es keine Struktur, keine Aussagekraft, keinen Flow, nichts, was das Publikum unterhält, und nichts, was dem Rapper die Möglichkeit gibt, mit seinem individuellen Style zu glänzen. Deshalb muss der Rapper zunächst wissen, wie ein Rap-Text überhaupt beschaffen ist.

Üblicherweise besteht ein Rap-Text aus zwei bis drei Strophen und einem Refrain. Die Strophen werden auch Parts genannt und setzen sich meist aus jeweils 16 Zeilen zusammen. Erstreckt sich eine Textzeile über genau einen Takt des instrumentalen Teils, wird von einem Bar gesprochen. Und generell sollte der Rapper versuchen, mit Bars zu arbeiten. Folglich sollte sich ein Part möglichst über 16 Takte erstrecken. Der Refrain wiederum wird auch als Hook bezeichnet und umfasst im Normalfall acht Zeilen. Damit ist der Refrain halb so lang wie die Strophen.

Die Anzahl der Silben, die der Rapper über einen Takt legt, bestimmt den Flow. Auf den Flow gehen wir später noch ausführlich ein. Zunächst einmal sollte sich der Rapper einprägen, dass er sich beim Schreiben seiner Texte und beim späteren Sprechgesang immer am Takt seines Beats orientiert. Um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, wie der Takt und der Text zusammenhängen, kann sich der Rapper verschiedene Songs anhören und dabei gleichzeitig die Songtexte mitlesen.

 

Das Ziel eines Rap-Textes

Was die Inhalte als solches angeht, so besteht das Ziel darin, das Publikum mit dem Rap-Text zu unterhalten und Emotionen zu wecken. Die Mittel hierfür sind unterhaltsame Themen, anspruchsvolle Aussagen, eine bildliche Sprache, eine verständliche Wortwahl und eine stimmige Reimstruktur. Dazu kommen rhetorische Stilmittel, zu denen beispielsweise die sogenannten Punchlines gehören. Abgerundet wird das Ganze durch den individuellen Style des Rappers, der ihn und seine Songs unverkennbar macht.

Damit der Rapper mit seinem Text die emotionale Ebene beim Publikum ansprechen kann, muss er natürlich zunächst einmal wissen, welche Emotionen es überhaupt gibt. Unabhängig von seiner Herkunft oder Kultur, besitzt der Mensch sieben grundlegende Emotionen, nämlich

  1. Fröhlichkeit,
  2. Überraschung,
  3. Angst,
  4. Wut,
  5. Traurigkeit,
  6. Verachtung und
  7. Ekel

Wenn sich der Rapper verschiedene HipHop-Songs anschaut, wird er feststellen, dass sie sich alle in diesem Spektrum bewegen. Da gibt es dann Tracks, die das Publikum überraschen und in Staunen versetzen, während andere Tracks von Traurigkeit und Angst geprägt sind. Wieder andere Songs leben von ihrer Wut und Aggressivität. Und einige Songs versprühen Fröhlichkeit und machen gute Laune. Aktuelle Studien zeigen übrigens, dass Texte mit freundlichen und fröhlichen Inhalten in den sozialen Medien am besten ankommen.

Das gezielte Ansprechen von Emotionen nennt sich auch Neuromarketing. Jeder Werbespot, der zum Lachen bringt, Kopfschütteln auslöst oder nachdenklich stimmt, basiert genau auf diesem Prinzip. Und der Rapper zielt mit seinem Text auf nichts anderes ab. Er wählt also einen Beat aus und versucht, in Kombination mit seinem Text eine bestimmte Stimmung auszudrücken und ans Publikum zu transportieren.

 

Die Thematik eines Rap-Textes

Wie ein Rap-Text aufgebaut ist und worauf er abzielt, ist nun bekannt. Bleibt aber die Frage, wie der Rapper konkret vorgeht, wenn er seinen Text schreiben und mit Leben füllen will. Dazu muss sich der Rapper als erstes überlegen, um welches Thema es in seinem Song gehen soll. Filme, Bücher, andere Songs, aktuelle Meldungen in den Nachrichten und natürlich das eigene Leben mit all seinen Facetten, Erlebnissen und Erfahrungen können dafür die richtigen Ideen liefern.

Hat sich der Rapper für eine Richtung entschieden, kann er sich Gedanken über Aussagen und Elemente machen, die im Text vorkommen sollen. Was ist typisch für das Thema? Was muss unbedingt zur Sprache kommen? Was soll die Kernbotschaft sein? Welche Stimmung möchte der Rapper einfangen? In der Praxis hat es sich bewährt, wenn der Rapper keine Vorauswahl trifft, sondern erst einmal alles notiert, was ihm spontan zu seinem Thema einfällt.

Ein Beispiel: Angenommen, der Rapper möchte einen Song über den Winter machen. Charakteristisch für diese Jahreszeit wären beispielsweise folgende Dinge: Kälte, Schnee und Eis, Dunkelheit, Skifahren und rodeln, Schnellballschlachten, Partys in der Skihütte, dicke Winterkleidung mit Mütze, Schal und Handschuhen, aber auch Menschen, die in den frostigen Nächten erfrieren.

Hat der Rapper seine Stichwortsammlung fertig, gibt es zwei Möglichkeiten. So kann er entweder ein allgemeines Winterlied schreiben, bei dem er möglichst viele typische Winterassoziationen verarbeitet. Oder der Rapper wählt ein Stichwort aus und konzentriert sich in seinem Text auf dieses Element. Oft ist das die bessere Idee, denn zum Winter als solches gibt es schon unzählige Songs.

Hat sich der Rapper ein Stichwort herausgepickt, beginnt die Stichwortsammlung von vorne. Nun gilt es nämlich, Elemente und Inhalte zu finden, die das Stichwort beschreiben und eine Geschichte dazu erzählen. Später wird es dann darum gehen, die Inhalte in stimmige Textzeilen einzuflechten.

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Veröffentlicht von

Bernius Maliki

Baujahr 1974, Name Bernius - schreibe ich hier zu diversen HipHop Themen, da ich selber in der Szene aufgewachsen bin, habe ich viel in den Bereichen Rap-Musik inklusive eigener Produktionen mitbekommen. Zudem war ich Mitglied in einer Graffiti Crew unter dem Tag ICE und habe Ende der 80er auch mehrere Jahre getanzt (Breakdance). Aktuell betreue ich meine Kinder im professionellen HipHop Tanz.

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