Ausführliche Anleitung zum Rappen, Teil 3

Ausführliche Anleitung zum Rappen, Teil 3

Der Rap ist ein fester Bestandteil vom HipHop. Und die Technik, auf der das Rappen beruht, kann jeder lernen.

So gut wie jeder Tätigkeit liegen bestimmte Techniken und Abläufe zugrunde. Das gilt fürs Malen, fürs Autofahren oder für Sport genauso wie für das Spielen eines Instruments. Und auch beim Rappen ist es nicht anders.

Natürlich hängt es ein bisschen von der Begabung ab, wie schnell jemand lernt und wie gut er das Gelernte umsetzen kann. Doch mit Geduld und Übung kann sich jeder die Techniken aneignen. Und das Lernen hört nie auf. Selbst ein erfahrener Rapper feilt unaufhörlich an seinem Stil und nimmt immer wieder neue Elemente in sein Repertoire auf.

Um einen ersten Grundstein zu legen, haben wir eine ausführliche Anleitung zum Rappen zusammengestellt. Dabei haben wir uns in Teil 1 mit dem Aufbau, den Zielen und dem Thema eines Rap-Textes beschäftigt. In Teil 2 haben wir uns dem Reimen gewidmet.

Und jetzt, in Teil 3, kümmern wir uns um den Flow:

 

Der Flow beim Rappen

In so gut wie jedem Beitrag zum Thema Rap taucht früher oder später auch der Begriff Flow auf. Definiert wird der Flow als das Zusammenspiel aus dem Beat, der Melodie und dem Text des Songs mit der Stimme und der Aussprache des Rappers. Doch was heißt das? Etwas klarer wird die Sache, wenn die Definition in ihre Einzelteile zerlegt wird:

  • Da ist zum einen die Stimme des Rappers. Sie setzt er ein, um über die Lautstärke und die Betonung Akzente zu setzen und so die Stimmung, die durch den instrumentalen Teil entsteht, zu unterstreichen.
  • Zum anderen gibt es den Text. Hier entscheidet der Rapper, wie er den Text über den Beat legt.

Den Text über den Beat legen

Aus Teil 1 dieser Anleitung wissen wir, dass eine Textzeile innerhalb eines Taktes das sogenannte Bar ist. Und für jede Flow-Technik gibt es eine bestimmte Anzahl an Silben, die pro Takt höchstens in einer Zeile untergebracht werden können. Ein Bar besteht also immer aus Silben in einer gewissen Anzahl. Baut der Rapper nun die maximale Silbenanzahl in seinen Takt ein, klingt der Text flüssig.

Damit bekommt auch der Song einen flüssigen Flow. Nimmt der Rapper hingegen weniger Silben in einen Takt auf, muss er entweder Pausen zwischen den Silben einlegen oder die Silben beim Rappen in die Länge ziehen. Das kann soweit gehen, dass im Ergebnis ein abgehackter Flow entsteht.

So gut wie alle Instrumentals bei Rap-Songs basieren auf einem 4/4-Takt. Der Grundschlag entspricht somit einer Viertelnote. Diese wird viermal pro Takt von irgendeinem Schlaginstrument gespielt. Der Takt selbst ist aber weniger wichtig. Der Rapper sollte sich nur merken, dass er bei einem einfachen Flow jedem Grundschlag höchstens vier Silben zuweisen kann.

Und eine dieser Silben rappt er immer zusammen mit dem Grundschlag. Nachdem der Takt vier Grundschläge umfasst, kann der Rapper also höchstens sechzehn Silben in einen Takt einbauen. Denn vier Silben pro Grundschlag mal vier Grundschläge ergeben sechzehn Silben. Vier dieser sechzehn Silben wiederum liegen direkt auf den Grundschlägen. Etwas anschaulicher wird das Ganze mithilfe einer Grafik:

[Flow]

Natürlich muss der Rapper nicht die maximale Anzahl an Silben ausschöpfen. Belässt er es bei weniger Silben, muss er allerdings Pausen einbauen oder einzelne Silben entsprechend in die Länge ziehen. Der umgekehrte Fall ist ebenfalls möglich.

Will der Rapper noch mehr Silben in einen Takt packen, muss er aber auf eine schnellere Flow-Technik zurückgreifen oder zwischen verschiedenen Geschwindigkeiten hin- und herwechseln. Ob es der Rapper immer bei der gleichen Anzahl an Silben pro Takt belässt oder die Silbenzahl variiert, bleibt seinem Geschmack überlassen.

 

Double- und Halftime

Die Sache mit dem Flowen klingt kompliziert, ist aber gar nicht so schwer. Mit ein bisschen Übung wird der Rapper das Flowen recht schnell draufhaben. Und wenn er sich sicher fühlt, kann er sich mit der nächsten Flow-Technik befassen, nämlich dem Double- und dem Halftime.

Doubletime heißt, dass der Rapper doppelt so schnell rappt. Nachdem ein normales, einfaches Flow-Schema höchstens sechzehn Silben pro Takt umfasst, sind es beim Doubletime somit 32 Silben. Einem Grundschlag werden damit acht Silben zugewiesen. In der Praxis wird aber oft schon dann von Doubletime gesprochen, wenn der Rapper nur sechs Silben auf einen Grundschlag und damit insgesamt 24 Silben in einen Takt einbaut. So oder so gilt aber auch beim Doubletime, dass der Rapper mindestens eine Silber immer zusammen mit einem Grundschlag ausspricht. Andernfalls wirkt der Rap, als sei er aus dem Takt gekommen.

Je schneller ein Text gerappt wird, desto wichtiger ist eine saubere Aussprache. Der Sprechgesang soll schließlich nicht in einem unverständlichen Gemurmel enden. Gut zu wissen ist deshalb, dass es einige Abfolgen von Buchstaben gibt, die sich sehr gut für einen schnellen Rap eignen. Zu diesen Kombinationen gehören folgende:

  • LMNL (z.B.: „Los, meine Lieben!“)
  • MDBM (z.B.: „Mit dem Bein, Mann!“)
  • MMTW (z.B. „Mammutwelt“)
  • alle Abfolgen mit DG und KT

Möchte der Rapper nicht doppelt so schnell, sondern genau im Gegenteil halb so schnell rappen, kann er auf das Halftime-Schema zurückgreifen. In diesem Fall verringert sich die Anzahl der Silben auf die Hälfte. Auf einen Takt kommen demnach acht Silben. Bei einem ruhigen Song oder einer langsamen Passage kann der Halftime durchaus Sinn machen. Allerdings muss der Rapper ein bisschen aufpassen, dass sein Rap nicht zu langweilig oder zu schwerfällig klingt.

Um mit den Geschwindigkeiten zu spielen, kann der Rapper natürlich auch mehrere Flow-Techniken miteinander mischen. So kann er seinen Song beispielsweise auf einem einfachen Flow-Schema aufbauen und zwischendurch immer mal wieder Double- und Halftime-Passagen einstreuen.

Allerdings sollte er mit solchen Spielereien erst dann beginnen, wenn die einzelnen Techniken gut sitzen. Sonst kann es schnell passieren, dass er sich verhaspelt oder der Flow nicht mehr mit dem Takt übereinstimmt.

 

Den Flow üben

Um ein Gefühl für den Takt und den Flow zu bekommen, kann der Rapper wie folgt vorgehen:

  • Er sucht sich einen HipHop-Song aus, der ihm gut gefällt. Für den Anfang sollte es am besten ein Song sein, der auf einem eher einfachen, soliden Flow basiert.
  • Während der Song läuft, rappt der Rapper den Text mit. Das macht er ein oder zwei Mal.
  • Anschließend lässt er den Song erneut laufen. Nun rappt er zwar ebenfalls mit, tauscht die Silben aber gegen ein simples „DA“ aus. Statt Silben und Wörter zu rappen, spricht der Rapper also immer nur ein „DA“ aus.
  • In der nächsten Phase lässt der Rapper nur das Instrumental ohne Text laufen. Gleichzeitig rappt er mit, indem er seine „DAs“ an den richtigen Stellen platziert.
  • Klappt das fehlerfrei, kann der Rapper dazu übergehen, wieder mit richtigen Silben und Wörtern mitzurappen.

Eine andere Möglichkeit ist, dass sich der Rapper den Songtext schnappt und diesen in die einzelnen Silben zerlegt. Anschließend ersetzt er den Songtext durch einen eigenen Text. Dabei teilt er seinen Text in exakt der gleichen Form in Silben auf. Das klappt am besten, wenn der Rapper seine Silben direkt unter die Silben aus dem Originaltext schreibt. Dadurch behält er den Überblick. Dann lässt der Rapper das Instrumental laufen und rappt seinen Text auf den Song.

Langfristig wird der Rapper natürlich an einem eigenen Flow arbeiten. Schließlich will er ja nicht kopieren oder andere nur nachahmen, sondern seinen eigenen Stil entwickeln. Um die verschiedenen Flow-Techniken zu lernen, haben sich diese Methoden aber bewährt.

Damit sind wir mit unserer Einführung in die Kunst des Rappens am Ende. Die wichtigsten Infos, die der Rapper für den Anfang braucht, sollte er nun haben. Und nun wird es Zeit, mit dem Üben zu beginnen… Viel Spaß!

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