Tanzstile in der HipHop-Kultur, 2. Teil

Tanzstile in der HipHop-Kultur, 2. Teil

Im 1. Teil des Ratgebers rund um die Tanzstile in der HipHop-Kultur stand die Ostküste mit dem B-Boying im Mittelpunkt. Der 2. Teil dreht sich nun um die Tanzstile der Westküste.

Die ursprüngliche HipHop-Kultur umfasste vier Grundelemente, nämlich Rap, DJing, Graffiti und Tanz. Nachdem sich im Laufe der Zeit die gesellschaftlichen und die technischen Rahmenbedingungen verändert haben, die HipHop-Musik zunehmend in den Mittelpunkt gerückt ist und die einstige Subkultur immer massentauglicher und damit auch kommerzieller wurde, wird heute oft nicht mehr nur von vier Elementen gesprochen.

Stattdessen werden auch das Beatboxing, die Street Fashion oder das Producing zu den Elementen der HipHop-Kultur gezählt. Doch unabhängig davon, ist HipHop ohne Tanzen undenkbar.

Und dabei kennt der HipHop eine Vielzahl von verschiedenen Tanzstilen, Techniken und Figuren, zu denen regelmäßig neue dazukommen. In einem ausführlichen Ratgeber gehen wir dem HipHop-Tanzen auf den Grund. Den Anfang machte dabei das B-Boying an der Ostküste.

Jetzt, im 2. Teil, ist die Westküste an der Reihe:

 

Die Westküste und ihre Tanzstile

Ebenfalls Anfang der 1970er-Jahre, aber unabhängig von den Entwicklungen an der Ostküste, kam an der US-amerikanischen Westküste der Funk-Style auf. Er vereinte mehrere Tanzstile, darunter beispielsweise das Locking und das Popping.

Die Tanzstile griffen Bewegungen auf, die an Roboter, Stromschläge oder pochende Lautsprechermembrane erinnerten. Die abgehackten Bewegungen wurden später durch fließende und wellenartige Moves ergänzt.

 

Das Locking

Das Locking hat seine Wurzeln in den Ghettos von Los Angeles. Ausgangspunkt bildeten die Gangart und die Körperhaltung der vorherrschenden Gang, die ihre Gegner durch diese aggressiven Drohgebärden einschüchtern wollte. Das Locking griff die Bewegungen auf und entschärfte sie gleichzeitig, indem es Komik einfließen ließ.

Dazu nutzten die Tänzer recht einfache Schrittfolgen, die den Rhythmus betonten, aber verschiedene Akzente setzten. Ausgehend von den verschiedenen Rhythmen des Elektro-Funk, kombinierten die Tänzer dabei verschiedene Bewegungsabläufe miteinander. Dadurch ergab sich eine besondere Dynamik. Ergänzt wurde das Ganze durch witzige Moves wie beispielsweise das Clownwalking,

den Funky Pinguin oder das Funky Chicken. Auch Bewegungen aus dem Alltagsleben, etwa das Stop and Go beim Anstehen in einer Schlange oder das Entwerten von Fahrkarten beim Betreten eines öffentlichen Verkehrsmittels, flossen in den Tanzstil ein. Der Tanz mit dem Besen oder das Abtasten einer gedachten Wand, wie es im Kultfilm “Beat Street” zu sehen ist, wurden weitere Basisfiguren.

Als Erfinder des Locking gelten Don Campell, auf den der Cambellock zurückgeht, und die Straßentänzer Locktron und Shabba Doo. Vor allem Fernsehsendungen, in denen es um Roboter ging, lieferten ihnen viele Ideen. Als Gegenentwurf zu ihrem Alltag, der von Perspektivlosigkeit und Chaos geprägt war, ahmten sie die perfekten und kontrollierten Roboterwelten nach.

Campell erarbeitete einen Tanzstil, der roboterartige, mechanische und absolut kontrollierte Bewegungsabläufe mit wilden, unkoordinierten Moves und einer witzigen Mimik kombinierte. Er gründete die Tanzcrew “The Lockers” und hatte mit ihr, wie auch andere Straßentänzer aus Kalifornien, Fernsehauftritte. Dadurch wurde das Locking an der Ostküste bekannt und die B-Boys nahmen die Moves in ihr Repertoire auf.

Der Name des Tanzstils geht auf die Bewegungsabläufe zurück. Denn beim Locking befinden sich die Gliedmaßen in einem kontrollierten Zustand, der durch abrupte Bewegungen unterbrochen wird, um dann in der neuen Position sofort wieder einzurasten. Dieser grundlegende Bewegungsablauf bildet die Basis für diverse Gehstile und für zahlreiche Figuren, darunter beispielsweise den Lockwalk, den Wrist Roll, den Knee drop, den Split, den Skeeter Rabbit oder das Pointing.

 

Der Boogaloo Style

In der Kleinstadt Fresno schlug Mitte der 1970er-Jahre die Geburtsstunde des Boogaloo Style. Erfunden wurde der Tanzstil von Sam und seinen Brüdern.

Sie orientierten sich am Locking, ersetzen die abgehackten und teils wilden Bewegungen aber durch Moves, bei denen der Kopf, die Schultern, die Hüften und die Knie weich und fließend bewegt oder kreisförmig gerollt werden. Der Name geht auf den Song “Do the Boogaloo” von James Brown zurück. Denn zu diesem Song trainierte Sam seinen Tanz.

 

Das Popping

Neben dem Boogaloo Style geht auch das Popping auf Sam zurück. Beim Popping wird eine Technik angewendet, durch die der Körper wie unter Strom gesetzt wird. Dazu werden die einzelnen Bewegungsabläufe so aufgeteilt, dass sich die Muskeln jeweils einzeln zusammenziehen.

Damit das gelingt, muss der Tänzer jede Muskelpartie für sich trainieren. Den Anfang macht der Arm-Pop, danach folgt der Leg-Pop (auch als Frenso bezeichnet) und anschließend sind der Neck- und der Chest-Pop an der Reihe. Der Tänzer muss lernen, seine Körperenergie über die Atmung zu bündeln, um sie dann durch ein gezieltes Zusammenziehen der jeweiligen Muskelpartie zu entladen.

Im Ergebnis entsteht der Effekt, der das Popping kennzeichnet:

Es sieht so aus, als wäre der Tänzer ferngesteuert. Oder als würden ihn äußere Energien, beispielsweise Stromschläge, bewegen. Dabei orientiert sich das Popping meist am Beat. So wird bei den geraden Taktzahlen gepoppt, während die ungeraden Taktzahlen für weiche, fließende und weitläufigere Bewegungen vorgesehen sind.

 

Der Electric Boogaloo Style

1977 gründete Sam zusammen mit ein paar anderen Tänzern die Crew “Electronic Boogaloo Lockers”. Im Folgejahr schloss er sich mit seinen Brüdern Popin Pete und Ticking Deck zu den “The Electric Boogaloos” zusammen. Dadurch verschmolzen das Locking, der Boogaloo und das Popping miteinander und der Electric Boogaloo Style entstand.

Sowohl die Crewmitglieder als auch andere Straßentänzer sorgten dafür, dass sich das Repertoire des Tanzstils immer wieder um neue Moves und Styles erweiterte. So geht der Toy Man Style auf Toyman Skeet zurück, Tickin Will steuerte das Ticking bei und Scarecrow Scully entwickelte den Scarecrow Style. Darryl alias King Cobra erfand den Snake Style, während Creeping Cid den Float erfand, der die Grundlage für den Glide bildet. Mr. Wiggles dachte sich den Knee Slide aus und Poppin Pete entwickelte Moves wie den ET Walk, den Spider Man oder den Sleepy Style.

Ein weiteres Kernelement beim Electric Boogaloo Style ist aber auch das Waving. Es lebt von Wellenbewegungen, die von oben nach unten, von unten nach oben, von einer Seite zur anderen oder diagonal durch den Körper laufen. Anders als beim Popping soll hier aber kein ferngesteuerter, roboterähnlicher Körper nachgeahmt werden.

Stattdessen schlüpft der Tänzer beim Waving in die Rolle eines Roboters, der zum Leben erwacht oder zu einem menschlichen Lebewesen wird. Dies geschieht, indem Strom, Wasser und andere natürliche Energien durch seinen Körper fließen, er anfängt zu atmen oder sein Herzschlag einsetzt.

Der Moonwalk, der Mitte der 1980er-Jahre durch Michael Jackson populär wurde, sowie der Back– und der Sideslide sind weitere klassische Moves. Sie lassen den Anschein entstehen, als würde der Tänzer auf Wolken gehen und sich dabei vorwärts bewegen.

In Wirklichkeit führt der Tänzer aber Schritte in die entgegen gesetzte Richtung aus. Zeichentrickfilme, Videospiele und Abbildungen antiker Kulturen lieferten Ideen für andere Figuren und Moves. So bildeten die typischen Bewegungen von Charakteren aus Zeichentrickfilmen die Basis für den Sindbad Style. Abgeleitet vom gleichnamigen Videospiel, werden Bewegungen der Arme und Hände, die geometrische Figuren nachzeichnen, als Tetris bezeichnet. Und wenn die Haltungen nachgeahmt werden, die für Bilder aus dem alten Ägypten typisch sind, sprechen die Tänzer vom King Tut Style.

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