Ausführliche Anleitung zum Rappen, Teil 2

Ausführliche Anleitung zum Rappen, Teil 2

Das Rappen gehört zum HipHop einfach dazu. Und weil der Sprechgesang letztlich eine Technik ist, kann es jeder lernen.

Egal, ob es um das Singen, das Spielen eines Instruments, eine bestimmte Sportart, eine handwerkliche Tätigkeit oder eben das Rappen geht: Sie alle beruhen auf bestimmten Techniken.

Natürlich gibt es Menschen, die von Haus aus etwas begabter sind oder einfach schneller lernen als andere. Mit Geduld und Übung kommt aber jeder früher oder später ans Ziel. Selbst ein gestandener Rapper hat nie ausgelernt, sondern kann sich immer noch etwas Neues aneignen oder seinen Stil verändern.

Und um einen Anfang zu machen, haben wir eine ausführliche Anleitung zum Rappen zusammengetragen. Dabei ging es in Teil 1 um den Aufbau, das Ziel und das Thema eines Rap-Textes.

Jetzt, in Teil 2, kümmern wir uns um das Reimen:

 

Die Assonanz als Reim beim Rappen

Hat sich der Rapper überlegt, worum es in seinem Song gehen soll und hat er genug Stichworte für seine Geschichte zusammen, muss daraus ein stimmiger Songtext werden. Im Rap wird der Text meist in Reimen geschrieben. Allerdings gibt es viele verschiedene Reimtypen. Und die wichtigste Variante im Rap ist die sogenannte Assonanz.

Bei der Assonanz werden die Verse durch Vokale in den Reimwörtern, die in der gleichen Reihenfolge wiederkehren, miteinander verknüpft. Es wird also nicht mit Wörtern gearbeitet, die sich ganz offensichtlich aufeinander reimen. Stattdessen kommen Wörter zum Einsatz, die die gleichen Vokale in der gleichen Reihenfolge enthalten.

Ein Beispiel: Taschen / Stange

Bei diesem Beispiel ergibt sich die Verbindung zwischen den Reimwörtern also durch die Vokale a und e, die sich in genau dieser Reihenfolge wiederholen. Nun klingt diese Verbindung aber nicht unbedingt nach einem Reim und zudem auch nicht besonders ansprechend. Ein Grund dafür ist, dass die Assonanz nur zwei Vokale umfasst.

Der andere Grund ist, dass Vokale teilweise unterschiedlich klingen. Je nach Wort und den Buchstaben, die vor und nach dem Vokal stehen, wird beispielsweise ein e gar nicht wie ein e ausgesprochen, sondern klingt eher nach einem ä oder einem a.

Um das Klangbild zu verbessern, kann der Rapper deshalb versuchen, seine Reimwörter um weitere Silben mit zusätzlichen Vokalen zu erweitern. Dadurch fällt der Klang der einzelnen Vokale nicht mehr so sehr ins Gewicht. Außerdem kann der Rapper ein bisschen tricksen, indem er seine Reimwörter mit Vokalen enden lässt, die gleich klingen. Das obige Beispiel könnte der Rapper beispielsweise so abändern:

Reisetasche / Kleiderstange

Durch die zusätzlichen Silben sind mit dem ei und dem e zwei weitere Vokale dazugekommen. Außerdem enden die beiden Wörter gleich. Der Reim klingt dadurch schon wesentlich besser. Allerdings funktioniert diese Vorgehensweise nicht immer.

Denn die Wörter müssen nicht nur die gleichen Vokale in der gleichen Reihenfolge haben, sondern inhaltlich natürlich auch zum Text passen. Schließlich bringt es wenig, wenn der Rapper tolle Reime findet, sein Songtest dadurch aber keinen Sinn mehr macht.

Eine mögliche Lösung wäre dann eine sogenannte unreine Assonanz. Dabei achtet der Rapper nur auf die Vokale am Ende und lässt die Vokale in der Mitte der Wörter außen vor.

Ein Beispiel: Pizzakäse / Sauercreme

Bei diesem Beispiel enthalten die Reimwörter zwar unterschiedliche Vokale, der Klang ist aber ähnlich. Denn wenn nach einem e ein r folgt, hört sich das e eher wie ein a an. Und auch das ä aus Käse und das e bei Creme können so ausgesprochen werden, dass sie ziemlich gleich klingen.

Durch die unsauberen Assonanzen hat der Rapper natürlich sehr viel mehr Wörter zur Auswahl, die er verwenden kann. Und wenn er später den Text aufnimmt, kann er noch weiter an den Reimen feilen, indem er die Reimwörter in der gleichen Art und Weise betont. Trotzdem sollten die unsauberen Reime nicht überhand nehmen. Als grobe Faustregel gilt, dass höchstens ein Drittel der Reime unsaubere Assonanzen sein sollten. Sonst besteht die Gefahr, dass das Klangbild insgesamt leidet.

Andererseits muss der Rapper natürlich nicht nur Wörter der gleichen Art miteinander verbinden. Es wirkt zwar am professionellsten, wenn der Rapper beispielsweise Substantive auf Substantive reimt. Aber grundsätzlich spricht überhaupt nichts dagegen, Substantive mit Adjektiven, Adjektive mit Verben oder Verben mit Substantiven zu verknüpfen. Und auch wie der Rapper die Reime anordnet, also ob beispielsweise paarweise oder über Kreuz, bleibt seinem Geschmack überlassen. Am Ende zählt nur, dass der Songtext eine in sich stimmige Geschichte erzählt.

 

Das Reimen ganz praktisch

Ein allgemeingültiges Patentrezept für das Reimen gibt es nicht. Vielmehr entwickelt jeder Rapper im Laufe der Zeit seine eigene Methode, um Reime für seine Texte zu finden. Da wir ja aber eine Anleitung versprochen haben, zeigen wir eine Möglichkeit auf.

In Teil 1 hatte sich der Rapper einen Song über den Winter vorgenommen. Und zwischendurch ist ihm „Ladys and Gentleman, seid gegrüßt“ eingefallen. Das soll die erste Zeile werden. Also gilt es nun, etwas zu finden, das sich darauf reimt. Dabei konzentriert sich der Rapper auf den zweiten Teil der Zeile, weil er wichtiger scheint.

Der Rapper könnte sich nun zuerst überlegen, welche Wortart er für seinen Reim verwenden will. Am Anfang ist es aber leichter, wenn sich der Rapper noch nicht festlegt. Stattdessen kann er den Reim in „seid“ und „gegrüßt“ aufteilen. Dann notiert er sich alle Reime, die ihm zu „seid“ einfallen. Mit Blick auf die Assonanzen braucht er dabei nur Wörter, die ein ei enthalten. Ein paar Beispiele:

seid / Kleid, Eis, rein, Glühwein, klein, verschneit, Neid, Sturheit

Bei diesen Beispielen sind mit Eis, Glühwein und verschneit auch schon drei Wörter dabei, die gut zum Winterthema passen.

Das Ganze wird jetzt mit dem zweiten Reimteil, dem „gegrüßt“ wiederholt. Hier sind zwei Vokale enthalten, nämlich das e und das ü.

gegrüßt / Gemüt, verrückt, verführen, Debüt, Menü, Gebühr, Gefühl

Sind genug Reime gefunden, müssen zwei davon ausgewählt und so zusammengesetzt werden, dass eine sinnvolle Kombination entsteht. Hier muss der Rapper ein herumprobieren, was zusammenpasst und in das Winterthema eingebaut werden kann. Zur Not kann der Rapper natürlich weitere Reime suchen und auch einen Blick auf unsaubere Reime werfen.

Bei unseren Beispielen passt irgendwie nichts so richtig zusammen. Ein Griff in die Trickkiste fördert aber das Wort „Paradies“ als unsauberen Reim auf „gegrüßt“ ans Licht. Und wenn nun die Wörter Eis und Paradies miteinander kombiniert und um eine kurze Formulierung am Zeilenanfang ergänzt werden, käme beispielsweise heraus:

Ladys and Gentleman, seid gegrüßt,

bei klirrender Kälte, im Eisparadies.

Damit wären die ersten beiden Zeilen fertig. So arbeitet sich der Rapper dann Stück für Stück vorwärts. Und wenn ihm die Ideen für Reime ausgehen, findet er im Internet viele Seiten, auf denen er nach Reimen suchen kann. Eine gute Alternative sind auch Datenbanken für Scrabble, Kreuzworträtsel und andere Wortspiele. Hier kann der Rapper nämlich ganz gezielt nach Wörtern suchen, die bestimmte Buchstaben in einer vorgegebenen Reihenfolge enthalten.

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