Strick-Graffiti – Infos und eine Anleitung

Strick-Graffiti – Infos und eine Anleitung  

Sie ziehen im Schutz der Dunkelheit durch die Straßen, um schnell und unbemerkt bunte Kunstwerke zu hinterlassen. Träger für ihre farbefrohen Kunstwerke sind Laternenmasten, Straßenpoller, Parkbänke, Zigarettenautomaten, Telefonzellen und viele andere, oft triste Gegenstände meist aus Stahl oder Beton.

Im Unterschied zu anderen Streetart-Künstlern arbeiten sie aber nicht mit Spraydosen oder Stiften. Ihre Werkzeuge sind Stricknadeln und Garn. Die Rede ist von Strick-Graffiti-Künstlern.  

Woher kommen Strick-Graffiti?

Der Startschuss für Strick-Graffiti fiel 2005 in Texas. Die US-Amerikanerin Magda Sayeg wollte nicht länger immer nur Pullover, Mützen, Handschuhe oder Socken stricken. Gleichzeitig störte sie sich an dem grauen, tristen Stadtbild aus Beton und Stahl.

Also griff sie zu Stricknadeln und buntem Garn und begann zusammen mit anderen Strickerinnen, farbenfrohe Hüllen für Türklinken, Laternenmasten, Straßenpoller, Verkehrsschilder und Bäume zu stricken. Diese erste Gruppierung, die sich Strick-Graffiti widmete, hieß Knitta Please.

Die bunten Kunstwerke wurden fotografiert und die Fotos im Internet veröffentlicht. So wurde die Idee allmählich bekannt und gelangte schließlich auch nach Europa. In Deutschland tauchten die ersten Graffiti-Strickarbeiten 2010 auf, inzwischen sind sie immer wieder in den verschiedensten Städten und Orten zu finden.     

Was ist die Idee hinter Strick-Graffiti?

Strick-Graffiti können verschiedene Motivationen haben. Die Hauptabsicht besteht oft darin, etwas Farbe in die grauen, tristen Städte zu bringen und durch die Arbeiten fröhliche Farbkleckse zu setzen. Manchmal sollen die Strickarbeiten auch dazu beitragen, schlichte oder langweilige Kulissen auf originelle Art zu verschönern.

Aber Strick-Graffiti sind nicht nur ein nettes Hobby, durch das Strickfans ihre Arbeiten in die Öffentlichkeit bringen. Stattdessen können Strick-Graffiti durchaus auch Botschaften oder politische Aussagen vermitteln.

So gab es unter anderem schon Aktionen gegen Atomkraft oder für die Rechte und die Gleichberechtigung der Frauen und auch bei den Protesten gegen den Stuttgarter Hauptbahnhof traten Strick-Graffiti-Künstler in Erscheinung.    

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Strick-Graffiti und echten Graffiti?

Für Strick-Graffiti gibt es viele Namen. Mal ist vom Yarn Bombing (Garn-Bombardement), mal vom Guerilla Knitting (Guerilla-Stricken), mal vom Urban Knitting (Stadt-Stricken) und mal von Weichen Graffiti die Rede.

Verglichen mit echten Graffiti gibt es einige, große Unterschiede. So wird durch Strick-Graffiti nichts beschädigt und die Arbeiten lassen sich im Handumdrehen wieder entfernen. Oft sind schon nach wenigen Stunden die Fotos, die die Künstler von ihren Werken machen, die einzigen Belege für ihre Straßenkunst. Auf der anderen Seite gibt es aber auch einige Gemeinsamkeiten.

Als eine Form von Streetart zielen auch Strick-Graffiti darauf ab, dem öffentlichen Raum ein anderes Aussehen zu geben und Aussagen zu hinterlassen. Strick-Graffiti-Künstler bringen ihre Werke meist in den frühen Morgenstunden oder in den späten Abendstunden an. Sie müssen zwar keine Strafen befürchten, können im Schutz der Dunkelheit aber ungestört arbeiten und müssen fragenden Passanten keine Erklärungen abgeben.

Genauso wie ihre sprühenden Kollegen achten auch die meisten Strick-Graffiti-Künstler darauf, dass ihre Anonymität gewahrt bleibt. Nur wenn sie unbekannt bleiben, können sie frei agieren und ihre Ideen umsetzen. Innerhalb der Szene dienen dann kleine, eingestrickte oder aufgestickte Tags als Erkennungsmerkmal.   

Wie geht Strick-Graffiti?

Eine Anleitung im eigentlichen Sinne gibt es für Strick-Graffiti letztlich nicht. Vielmehr bleibt es jedem selbst überlassen, was er mit seinem Strickwerk verschönern will und welche Farben und Muster er dafür auswählt. Ein Strickmuster, das sich gut für Strick-Graffiti eignet, ist aber das sogenannte Halbpatent. Dieses Strickmuster ist sehr elastisch, so dass die Strickarbeit problemlos angelegt werden kann, auch wenn die Maße nicht ganz exakt übereinstimmen.

Eine Art Grundanleitung für ein Strickstück, das beispielsweise einen Baum oder einen Laternenmast verschönern kann, geht dann so:

·         Zuerst wird ermittelt, wie groß der Umfang des Objekts, das verschönert werden soll, ist. Dabei muss der Umfang nicht exakt gemessen werden, ungefähre Maße reichen aus.

·         Als nächstes geht es ans Stricken. Dafür werden so viele Maschen angeschlagen, wie notwendig sind, um den ermittelten Umfang zu erreichen. Für das Halbpatent muss die Maschenzahl aber ungerade sein.

Die Maschen werden dann Reihe für Reihe gestrickt, und zwar so:

·         Die erste Reihe beginnt mit einer Randmasche. Dann wird eine Masche rechts gestrickt. Für die nächste Masche wird der Faden vor die Arbeit gelegt, die Stricknadel wie für eine linke Masche eingestochen und die Masche auf die rechte Stricknadel gehoben. Die Masche wird also nicht gestrickt, sondern nur als linke Masche mit Umschlag abgehoben. Bis zum Ende der Reihe werden nun immer abwechselnd eine rechte Masche gestrickt und eine linke Masche mit Umschlag abgehoben. Die letzte Masche der Reihe ist wieder eine Randmasche.

·         Die zweite Reihe beginnt mit einer Randmasche. Die nächste Masche wird links gestrickt. Bei der folgenden Masche werden die Masche und der Umschlag als eine rechte Masche zusammengestrickt. Dies wird bis zum Ende der Reihe wiederholt. Es wechseln sich also eine linke Masche und eine rechte Masche (aus Masche und Umschlag) ab. Die Reihe endet mit einer Randmasche.

·         Die beiden Reihen werden fortlaufend wiederholt.

·         Hat das Strickstück die gewünschte Länge erreicht, werden die Maschen abgekettet.

·         Nun muss das Strickstück nur noch an das ausgewählte Objekt angelegt, die offene Kante zusammengenäht und die Fäden unsichtbar in das Strickstück gesteckt werden.   

Übrigens lassen sich Strick-Graffiti auch mit echten Graffiti kombinieren. Dies ist beispielsweise möglich, indem ein Bilderrahmen oder eine breite Borte gestrickt, um ein gesprühtes oder gemaltes Graffito gelegt und mit dem Tacker oder Nägeln befestigt wird.

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