Buchstaben sind die Grundelemente beim Graffiti

Buchstaben sind die Grundelemente beim Graffiti 

Beeindruckende Graffiti zu kreieren, die als farbenfrohe Flächen kunstwerkartig Wände zieren, ist nichts, was in wenigen Tagen gelernt werden kann. Genauso wenig ist es möglich, Anleitungen zu formulieren und theoretisch zu beschreiben, wie der Writer am besten vorgehen sollte. 

Stattdessen setzen Graffiti Übung und Erfahrung voraus und diese erwirbt der Writer eben nur durch kontinuierliche Praxis. Genauso wichtig ist aber, dass die Grundlagen beim Graffiti bekannt sind. Andernfalls besteht nämlich die Gefahr, dass sich der Writer von Anfang an Fehler angewöhnt.   

Buchstaben sind die Grundelemente beim Graffiti.

Graffiti arbeiten im Wesentlichen mit Kreisen, Ovalen, Rechtecken, Rauten, Dreiecken, Punkten und Linien. Diese geometrischen Grundformen werden dynamisch miteinander kombiniert und in verschiedenen Styles ausgearbeitet. Der Ursprung vom Graffiti liegt jedoch im Schreiben. Während Graffiti-Künstler im Englischen korrekterweise Writer, also Schreiber, genannt werden und die Tätigkeit selbst Writing genannt wird, wird im Deutschen üblicherweise von Sprühern gesprochen.

Ein Writer greift zwar meist zur Spraydose, wenn er Graffiti gestaltet, im Prinzip schreibt er jedoch lediglich seinen Namen oder bestimmte Wörter. In diesem Sinne geht es beim Graffiti deshalb auch weniger um das Malen, sondern vielmehr um die Typografie und somit um die Auseinandersetzung und die Gestaltung von Schriften. Im Unterschied zur Typografie und Grafik im engeren Sinne liegt das Ziel beim Graffiti allerdings nicht in der Lesbarkeit der Schriften.

Stattdessen steht das Design im Fokus. Trotzdem bilden Buchstaben die Grundlage beim Graffiti und es macht keinen Sinn, die Buchstaben so zu verändern, dass sie nicht mehr erkennbar sind.

Anders ausgedrückt heißt das: Ein E ist ein E und bleibt ein E.

Natürlich kann und wird der Writer seinen eigenen Stil entwickeln, um dieses E letztlich zu gestalten. Trotzdem muss er die Grundform des Buchstabens beibehalten. Gerade Anfänger neigen dazu, besonders kreativ vorzugehen und die Buchstaben wild zu verzerren. Im Ergebnis entsteht dann jedoch oft ein Gesamtbild, das ungleichmäßig, nicht proportional und in sich nicht stimmig wirkt.

Deshalb ist der Anfänger gut beraten, wenn er erst einmal übt, Buchstaben klar und in ganz einfacher, auf das Wesentliche reduzierter Form zu zeichnen. Wenn er das beherrscht, kann er sich immer noch um den Feinschliff kümmern.   

Buchstaben beim Graffiti entstehen in der Blockbauweise.

Beim Graffiti wird überwiegend mit Großbuchstaben gearbeitet. Dies liegt daran, dass Großbuchstaben klarere Formen haben und somit weitaus mehr Gestaltungsmöglichkeiten bieten als Kleinbuchstaben. Dabei entstehen die Buchstaben beim Graffiti in der sogenannten Blockbauweise. Blockbauweise heißt, dass sich ein Buchstabe aus mehreren einzelnen Blöcken zusammensetzt.

Bei den Blöcken wird zwischen zwei Gruppen unterschieden:

·         Die erste Gruppe sind die Basisblöcke, die notwendig sind, um den Buchstaben zu konstruieren. Aus den Basisblöcken entsteht also die Grundform des Buchstabens, weshalb Basisblöcke auch Konstruktionsblöcke genannt werden. Ein E beispielsweise besteht aus vier Basisblöcken, nämlich einem senkrechten und drei waagerechten Basisblöcken. In welcher Form die Basisblöcke gestaltet werden, also ob beispielsweise Rechtecke, Ovale oder geschwungene Linien zum Einsatz kommen, bleibt natürlich dem Geschmack des Writers überlassen.

·         Die zweite Gruppe sind die Dekorationsblöcke. Sie vervollständigen den Buchstaben, verleihen ihm Volumen und entscheiden über die endgültige Optik. Außerdem können Dekorationsblöcke verwendet werden, um einzelne Blöcke und auch ganze Buchstaben miteinander zu verbinden. Soll der Style sehr schlicht und geradlinig bleiben, können die Dekorationsblöcke aber grundsätzlich auch weggelassen werden. 

Um sicherzustellen, dass sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt, sollte jeder Block als Einzelobjekt angelegt und sauber ausgeführt werden. Linien, die reine Hilfslinien waren oder später nicht mehr notwendig sind, werden je nach Untergrund wegradiert oder übersprüht. Anfänger neigen dazu, Buchstaben als Rahmenkonstruktion anzulegen. Das bedeutet, die zeichnen die Outline, also die Linie, die den Buchstaben als äußere Umrisslinie einrahmt.

Diese Vorgehensweise hat den großen Nachteil, dass die Linien mitunter wackelig und die Verbindungen innerhalb und zwischen den Buchstaben komisch wirken. Oft treffen die Verbindungslinien auch nicht exakt aufeinander, was dann wiederum unschöne Unterbrechungen zur Folge hat. Durch die Blockbauweise lässt sich diese Problematik umgehen.

Zwar kommt auch die Rahmenkonstruktion beim Graffiti zur Anwendung. Dies ist beispielsweise bei sehr einfachen Styles und bei Throwups, bei denen die Schnelligkeit entscheidend ist, der Fall. Je komplexer ein Style ist, desto unumgänglicher wird aber die Blockbauweise. Zudem kann der Writer einen Buchstaben letztlich erst dann in unterschiedliche Formen bringen und somit das Potenzial an Variationsmöglichkeiten ausnutzen, wenn er die Blockbauweise sicher beherrscht. Im Grunde genommen ist dies genauso wie bei einem Musiker, der auch erst dann improvisieren und variieren kann, wenn er die musikalischen Grundlagen verinnerlicht hat.   

Durch Schatten und Highlights werden die Buchstaben lebendig.

Um die einzelnen Buchstaben miteinander zu verbinden, gibt es zwei grundlegende Möglichkeiten:

1.       Überschneidungen.

Zwei Buchstaben können dadurch miteinander verbunden werden, dass sie sich überlappen. Der zweite Buchstabe wird also stellenweise gewissermaßen über oder hinter den ersten Buchstaben gelegt. An den Stellen, an denen sich die beiden Buchstaben überschneiden, kann der Buchstabe im Vordergrund den Buchstaben im Hintergrund überdecken. Es kann aber auch eine Art Glaseffekt kreiert werden, bei dem beide Buchstaben sichtbar bleiben.

2.       Übergänge von einem Buchstaben in den nächsten.

Die andere Verbindungsmöglichkeit besteht darin, die Basisblöcke des ersten Buchstabens so anzulegen, dass die Basisblöcke des zweiten Buchstabens daran anschließen, sie aufgreifen und fortsetzen. Diese Variante ist jedoch etwas anspruchsvoller, denn der Writer muss hier im Prinzip schon vorher wissen, wie die fertigen Buchstaben später aussehen sollen.

Die Buchstaben innerhalb eines Graffitos miteinander zu verbinden, ist jedoch kein Muss. Ohne jegliche Verbindung und einfach nur nebeneinander angeordnet, werden die Buchstaben allerdings meist nur dann, wenn der Writer sicherstellen möchte, dass sein Schriftzug lesbar ist. Ihren Feinschliff erhalten die Buchstaben üblicherweise durch Schatten und Highlights, die das Gesamtbild dynamischer, lebendiger und plastischer machen. Die Schatten werden oft schon zusammen mit den Buchstaben angelegt.

Später werden sie dann ausgearbeitet, wobei für die Schatten in aller Regel die Farbe verwendet wird, in der auch die Outlines gehalten sind. Die Highlights werden üblicherweise in Weiß oder einer anderen hellen Farbe gesetzt. Sie schließen die Arbeit im Normalfall als letzter Arbeitsschritt ab.

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