Graffitiformen in der Übersicht, 2. Teil

Graffitiformen in der Übersicht, 2. Teil

Wenn es um Graffiti geht, scheiden sich die Geister. Doch Graffiti ist nicht gleich Graffiti. Vielmehr haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Graffitiformen und -stile entwickelt.

Mitten in der Stadt, an einer dunklen, kahlen Wand prangt ein farbenfroher Schriftzug. Was dort steht, ist nicht so richtig zu erkennen. Doch insgesamt ist das Bild ein fröhlicher Farbklecks in der ansonsten eher tristen Umgebung. – Vermutlich jeder hat irgendwo schon einmal Graffiti gesehen.

Und während die einen kein Verständnis dafür haben und die aufgesprühten Bilder als hässliche Schmierereien abtun, erfreuen sich die anderen an den bunten Kunstwerken. Natürlich gibt es Graffiti, die tatsächlich nur unschönes und überflüssiges Gekritzel sind. Aber es gibt eben auch solche Graffiti, die von viel Kreativität und noch mehr künstlerischem Können zeugen. Und diese Kunst kann in verschiedenen Stilen zum Ausdruck kommen.

In einer zweiteiligen Übersicht stellen wir die wichtigsten Graffitiformen vor. Dabei ging es im ersten Teil um einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Graffiti. Außerdem haben wir erklärt, was ein Tag, ein Throw Up und ein Character sind.

Hier ist nun der 2. Teil:

 

Der Block Buster

Das charakteristische Merkmal vom Block Buster sind große, eckige und kantige Buchstaben. Die Buchstaben sind im Stil von einfachen, plakativen Blöcken gehalten. Aus diesem Grund sind die Buchstaben leicht zu erkennen und gut zu lesen. Gleichzeitig ist ein Block Buster wegen seiner schlichten Formen recht einfach umzusetzen.

 

Der Bubble Style

Eine Art Gegenstück zum Block Buster ist der Bubble Style. Denn während sich ein Block Buster durch eckige Formen kennzeichnet, charakterisiert sich der Bubble Style durch runde Formen.

Die Buchstaben sehen im Prinzip aus, als wären sie aus aufgeblasenen Luftballons oder Seifenblasen zusammengesetzt. Da sich der Bubble Style recht schnell umsetzen lässt und nicht unbedingt eine sehr saubere Ausarbeitung erfordert, kommt er oft bei Throw Ups zum Einsatz.

 

Der Semi-Wildstyle

Beim Semi-Wildstyle werden die Buchstaben weitgehend in der klassischen Form umgesetzt. Die Buchstaben werden also grundsätzlich ganz normal gestaltet. Allerdings werden die Größenverhältnisse zwischen den einzelnen Buchstaben neu festgelegt und wild durcheinandergemischt. Zudem wird der Schriftzug um verschiedene Stilelemente wie Linien, Schnörkel, Pfeile und andere Formen ergänzt.

Auf den ersten Blick scheinen Graffiti im Semi-Wildstyle deshalb wie bunte Gebilde. Erst bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass es sich um Schriftzüge handelt.

Und wenn der Betrachter einmal den ersten Buchstaben entdeckt und erkannt hat, versteht er meist recht schnell, nach welchem Prinzip der Graffiti-Künstler die Buchstaben erstellt und verfremdet hat. Folglich wird es ihm dann auch leicht fallen, die übrigen Buchstaben auszumachen und den Schriftzug zu lesen.

 

Der Wildstyle

Die Steigerungsform vom Semi-Wildstyle ist der echte Wildstyle. Hier wird die Verfremdung der Buchstaben fortgeführt und gesteigert. Dafür werden beispielsweise einzelne Striche oder Balken von Buchstaben verdoppelt. Aus einem H etwa könnte so ein IH werden.

Zusätzlich dazu werden die Striche oder Balken eines Buchstabens und auch die Doppelungen künstlich in die Länge gezogen, wodurch sie mit Elementen anderer Buchstaben verschmelzen. Dazu kommen dann noch Schnörkel, Pfeile und andere Elemente, die an die Buchstaben angehängt werden, parallel zu Buchstabenteilen verlaufen oder sich kreuz und quer durch das ganze Motiv ziehen. Die Buchstaben verbinden sich dadurch mit den Verfremdungen und Zusatzelementen zu einer Einheit.

Dies führt einerseits dazu, dass der Schriftzug als solches nur schwer zu erkennen und vor allem für den Laien unlesbar ist. Zum anderen strahlt das Bild eine gewisse Wildheit aus. Und eben diese wilde Note gibt dem Graffitistil seinen Namen.

 

Der 3D-Style

Beim 3D-Style geht es darum, Graffiti dreidimensional wirken zu lassen. Dies erfolgt aber nicht mit einfachen Buchstabenblöcken, die durch simple Lichter und Schatten eine gewisse Tiefe bekommen. Stattdessen zielt der 3D-Style darauf ab, eine möglichst realistische dreidimensionale Wirkung zu erzielen.

Das Motiv soll den Eindruck machen, als wäre es erhaben auf die Wand aufgesetzt oder als würde es sich seinen Weg direkt aus der Wand heraus bahnen. Die räumliche Tiefe und gedachte Lichtquellen sind beim 3D-Style deshalb auch nicht nur malerische Hilfsmittel, sondern stattdessen typische Stilmittel.

Ob die Buchstaben eher schlicht oder verschnörkelt und verfremdet umgesetzt werden, bleibt dem Geschmack des Graffiti-Künstlers überlassen. 3D-Styles müssen nämlich nicht unbedingt gut lesbar sein. Entscheidend ist vielmehr ihre dreidimensionale Wirkung.

 

Der Photorealismus

Hinter dem Photorealismus verbirgt sich eine sehr aufwändige Technik, die viel Können erfordert. Der Graffiti-Künstler zaubert dabei mit seinen Sprühfarben ein Bild an die Wand, das einer täuschend echten Momentaufnahme gleicht. Das Bild sieht nicht aus wie ein gemaltes Bild, sondern wirkt vielmehr wie ein Foto.

 

Ein Wort zur rechtlichen Seite

Die genannten Graffitiformen und -stile sind natürlich nur ein kleiner Ausschnitt aus dem vielfältigen Repertoire. Zu den gängigsten Formen kommen unzählige Abstufungen und spezielle Varianten dazu, die immer auch ein Stück weit die besondere Handschrift des jeweiligen Graffiti-Künstlers widerspiegeln. Doch bei aller Begeisterung für Graffiti darf die rechtliche Seite nicht außer Acht gelassen werden. Graffiti selbst sind natürlich nicht strafbar.

Wenn der Graffiti-Sprüher seine Motive aber auf einer Fläche hinterlässt, ohne dass sich der Besitzer zuvor einverstanden erklärt hat, ist der Tatbestand der Sachbeschädigung erfüllt. Generell kennzeichnet sich die Sachbeschädigung dabei dadurch, dass die Substanz der Sache verändert wird. Und bei Sprühlacken ist dies deshalb der Fall, weil die Lacke nicht nur auf der Oberfläche haften, sondern in die Substanz einziehen.

Deshalb können die Flächen zwar gereinigt, die Lacke aber meist nicht mehr vollständig beseitigt werden. Eine Sachbeschädigung kann mit einer Geldstrafe und sogar einer mehrjährigen Haftstrafe geahndet werden. Wird der Graffiti-Sprüher erwischt, muss er zudem für die teils sehr hohen Reinigungskosten aufkommen.

Um Graffiti darin zu unterstützen, ihr negatives Image abzulegen und als Kunst anerkannt zu werden, sollte der Sprüher also von illegalen Projekten besser absehen. Inzwischen gibt es genug Flächen, auf denen der Graffiti-Künstler sein Können ganz legal unter Beweis stellen kann.

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