Was ist Battle-Rap?

Was ist Battle-Rap?

Den Gegner verbal in die Knie zu zwingen und sich Respekt zu verschaffen: Darum geht es beim Battle-Rap. Mit möglichst kreativen und originellen Punchlines versucht der Rapper, die Fähigkeiten und die Glaubwürdigkeit seines Gegners in Frage zu stellen.

Gleichzeitig will er beweisen, dass er um Längen besser ist. Dass bei der gezielten Demontage des Gegners Grenzen überschritten werden, gehört dazu.

Und dass manche Diss-Songs nur inszeniert sind, um die Verkaufszahlen nach oben zu treiben, ebenfalls. Doch dieses Genre des HipHop löst regelmäßig heftige Diskussionen aus. Grund genug, der Sache einmal auf den Grund zu gehen.

Battle Rap

 

Was ist Battle-Rap?

Eine gute Erklärung dafür, was Battle-Rap ist und worum es dabei geht, liefert der Film 8 Mile von Curtis Hanson: Ein Neuling namens B-Rabbit, gespielt von niemand Geringerem als Eminem, will sich in der Rap-Szene einen Namen machen. Um sich Ansehen zu verschaffen, bleibt ihm nur der Weg über die direkte Konfrontation. In der Schlüsselszene steht B-Rabbit also schließlich Papa Doc, dem angesehendsten Rapper der Stadt, gegenüber.

Als Neuling, als Niemand in der Rap-Szene, hat er nur diese eine Chance. Und er liefert. Mit einem Feuerwerk aus kunstvollen Beleidigungen, doppelzüngiger Selbstironie und gekonnten Tiefschlägen fährt er einen klaren Punktsieg ein. Papa Doc ist geschlagen, B-Rabbit ist jetzt jemand.

Der Battle-Rap versteht sich als Wettkampf, als Wettbewerb im sportlichen Sinne. Im Prinzip ist er mit einem Boxkampf vergleichbar. Zwei Gegner stehen sich gegenüber und tragen einen echten oder einen inszenierten Kampf aus. Nur erfolgt das nicht mit den Fäusten, sondern durch Worte. Und Tiefschläge sind erlaubt. Die Kombination aus Selbstüberhöhung und harten Treffern durch clevere Reime bringt Punkte und schickt den Gegner auf die Bretter. Als Preis gibt es keinen Gürtel, sondern Respekt.

Wo hat der Battle-Rap seinen Ursprung?

Eigentlich begann alles ganz harmlos. Ausgangspunkt für den Battle-Rap war nämlich letztlich verschmähte Liebe. 1984 veröffentlichte die New Yorker Crew U.T.F.O. den Song Roxanne, Roxanne und rappte darin darüber, wie eben jene Roxanne die Annäherungsversuche zurückgewiesen hatte. Eine damals 14 Jahre alte Rapperin nahm diesen Track als Vorlage, gab sich den Namen Roxanne Shanté und kam mit dem Diss-Song Roxannes Revenge um die Ecke. Damit war der Battle-Rap geboren.

Zwei Jahre später brachte Boogie Down Productions den Song South Bronx heraus. Er war die Antwort auf einen Streit darüber, wo der HipHop seinen Ursprung hat. Während Boogie Down Productions den Geburtsort des HipHop in der South Bronx sah, lag er nach Ansicht der Juice Crew um Roxanne Shanté nämlich in Queensbridge. Jedenfalls war dieser Song die Grundlage für alle HipHop-Tracks in Battle-Rap-Manier, die später folgen sollten.

Dass der Battle-Rap die Aufmerksamkeit der breiten Masse erreichte, ist ein Verdienst von Dr. Dre. 1992 gründete er sein Label Death Row und investierte viel Geld in die Vermarktung seiner Rapper. Damit sorgte er nicht nur dafür, dass HipHop den Mainstream erreichte, sondern prägte auch die Art, wie Diss-Songs in der Öffentlichkeit präsentiert wurden, maßgeblich. Dr. Dres ganz persönlicher Rachesong gegen Eazy-E wurde jedenfalls auf Musiksendern rauf- und runtergespielt und sollte zu einem Meilenstein des Battle-Rap werden.

Wie kam der Battle-Rap nach Deutschland?

1994 schwappte der Trend dann nach Deutschland über. Seinerzeit mischte das Rödelheim Hartreim Projekt um Moses Pelham die noch recht junge HipHop-Szene in Deutschland mächtig auf. Eine der Zielscheiben war der spaßige und poppige Rap der Fantastischen Vier.

So richtig in Fahrt kam der Battle Rap in Deutschland aber erst durch die Auseinandersetzung zwischen Kool Savas und Eko Fresh. Nachdem sich Eko Fresh von seinem ehemaligen Mentor abgewandt hatte, rechnet er musikalisch mit ihm ab.

Kool Savas konterte prompt, und das auf eine sehr derbe Art:

Im Musikvideo zu Das Urteil zeigt er die Beerdigung seines früheren Zöglings. Der Song wurde zum Vorbild für den deutschen Battle-Rap und der Wettkampf zwischen den beiden HipHop-Größen zum bedeutendsten Battle der deutschen HipHop-Geschichte.

Ist Battle-Rap Kunst oder nur gewaltverherrlichender Blödsinn?

Der HipHop ist in den ärmsten Vierteln US-amerikanischer Großstädte entstanden. Die Bedingungen waren schlecht, der Alltag hart. Von diesem Leben erzählten die Rapper in ihren Songs. Dass sie dabei eine harte, derbe Sprache nutzten, liegt eigentlich auf der Hand.

Denn im Ghetto geht es nicht um gute Manieren und stillvolle Formulierungen. Es wird gesagt, was gesagt werden muss. Und das in der Sprache, die den Alltag bestimmt. Gewalt war ein prägendes Element im Ghetto-Alltag und findet sich folglich auch in den Songs wieder. Kunst und Kultur spiegeln eben immer auch ein Stück weit die Wirklichkeit, in der sie entstehen.

Im Verlauf der 1990er-Jahre nahm der Battle-Rap immer krassere Formen an. Durch den sehr erfolgreichen Gangsta-Rap war der HipHop ohnehin noch ein Stück brutaler geworden. Gleichzeitig wurden immer weniger Wettkämpfe direkt ausgetragen.

Der Battle-Rap verlagerte sich zunehmend von der Bühne in die öffentlichen Medien, zahllose Diss-Songs wurden eigens für diesen Zweck produziert. Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass auch ein Wettlauf um Schocker begann. Harmlose, liebliche Zeilen erregen schließlich keine Aufmerksamkeit, solche Platten verkaufen sich nicht.

Also wurden die Inhalte härter, die Beleidigungen fieser und die Sprache derber. Texte, die Gewalt und Drogen verherrlichen, frauenfeindlich, menschenverachtend oder pornographisch sind, gegen Minderheiten hetzen oder massive Drohungen aussprechen, wurden zur Normalität.

Als die deutsche HipHop-Szene den Battle-Rap für sich entdeckte, war genau dieser Wandel in vollem Gange. Folglich lieferten sich die deutschen Rapper von Anfang an einen mehr oder weniger harten Wettstreit um die Punchlines mit dem größten Schockpotenzial. Dass Reimformen, Rhythmen, Sprachbilder und andere Elemente, die die Kunst des Rappens eigentlich ausmachen, dabei in den Hintergrund rücken, wurde in Kauf genommen.

Natürlich sind die Hasstiraden mitunter geschmacklos und zweifelsohne werden teils Grenzen überschritten, die nicht überschritten werden dürfen. Das steht völlig außer Frage. Und selbstverständlich darf kritisiert werden, wenn HipHop-Künstler, die gut behütet aufgewachsen sind, eine schwierige Kindheit in ärmlichen Verhältnissen als Vermarktungsstrategie benutzen. Oder wenn sie den Battle-Rap nur nutzen, um sich medienwirksam in Szene zu setzen.

Aber:

Der Battle-Rap gehört zu den ältesten Ausdrucksformen des HipHop und ist ein fester Bestandteil dieses Genres. Tabubrüche sind grundlegende Stilmittel, die darauf abzielen, Aufmerksamkeit zu erregen und zu provozieren. Und nicht zuletzt sind sie es auch, die den HipHop erfolgreich machen. Denn sie geben dem Publikum etwas an die Hand, das Kritiker vehement ablehnen. Doch objektiv betrachtet, findet sich diese Idee in vielen anderen Genres genauso. Der Rock‘n‘Roll oder der Punk beispielsweise waren seinerzeit für Jugendliche auch eine sehr willkommene Gelegenheit, um sich gegen die Eltern und die spießige Gesellschaft aufzulehnen.

Selbstverständlich ist das kein Freibrief für verbale Entgleisungen. Und Punchlines, die zu weit gehen, dürfen nicht stillschweigend akzeptiert werden. Aber es ist eben auch nicht richtig, gleich die große Keule auszupacken und den HipHop als Ganzes zu verteufeln. Denn genau dieser Protest spielt fragwürdigen Akteuren doch gerade in die Karten und gibt ihnen die Bühne, die sie suchen.

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