Keith Haring, einer der wohl bekanntesten Writer, im Portrait

Keith Haring, einer der wohl bekanntesten Writer, im Portrait  

Noch immer gehören Graffiti zu den Kunstwerken, die die Geister scheiden. Während die einen nichts mit den markanten Schriftzügen und farbenfrohen Bildern anfangen können, die in ihren Köpfen nach wie vor fragwürdige, oft unerwünschte Schmierereien mit illegalem Beigeschmack sind, haben die anderen das Graffiti-Writing längst als Kunstrichtung anerkannt.

So gibt es nicht nur regelmäßig Ausstellungen in Museen und Galerien, sondern auch in der Design- und Werbebranche wird immer wieder mit Graffiti gearbeitet und selbst Städte lassen Straßenzüge mitunter durch Auftragsarbeiten verschönern. Dabei gibt es mittlerweile einige Writer, die den Sprung von der Straße und aus der Illegalität heraus geschafft haben und heute weltweit anerkannte Künstler sind.

Einer der Pioniere in diesem Bereich und gleichzeitig einer der wohl bekanntesten Writer war Keith Haring und hier der Künstler im Portrait:        

Keith Haring kommt am 4. Mai 1958 in Kutztown, einem Bezirk im Berks County im US-Bundesstaat Pennsylvania, zur Welt und verbringt hier auch seine Kindheit. Als Sohn von einem Cartoonisten kommt er schon früh mit dem Zeichnen in Kontakt und entdeckt schnell sein Interesse für Kunst. Auf Anraten seiner Eltern und seines Vertrauenslehrers schreibt sich Haring 1976 an der kommerziellen Ivy School of Professional Art in Pittsburgh ein und beginnt, Werbegrafik zu studieren.

Er bemerkt allerdings schnell, dass er kein Grafikdesigner werden möchte, denn dies wäre für ihn nur ein Job, aber keine Möglichkeit, um sich als Künstler zu verwirklichen. Also bricht er sein Studium ohne einen Abschluss nach nur zwei Semestern ab.

Haring arbeitet auf eigene Faust weiter, besucht Kunstausstellungen und lässt sich von anderen Künstlern inspirieren. 1978 stellt er zum ersten Mal seine Werke im Pittsburgh Arts und Crafts Center aus. Im selben Jahr zieht Haring nach New York. Hier nimmt er ein Studium an der School of Visual Arts auf und findet seine große Inspiration im Graffiti-Writing.   

Ab 1980 organisiert Haring Ausstellungen im Club 57, er beteiligt sich an der New Yorker New-Wave-Ausstellung und nimmt an der Times Square Ausstellung, einer der wichtigsten Ausstellungen neuer Kunst, teil. Öffentliche Aufmerksamkeit erlangt er aber auch mit seinen Kreidezeichnungen auf abgedeckten Werbetafeln in der New Yorker U-Bahn. Der Fotograf Tseng Kwong Chi hält diese Darstellungen für die Zukunft fest, heute sind die Kalkzeichnungen auf schwarzem Papier weltberühmt. Haring beginnt damit, Tiere und menschliche Gesichter zu malen und das sogenannte Radiant Baby, ein Baby mit einem Strahlenkranz, wird zu seinem Symbol.

1981 entwirft der Künstler seine ersten Werbeplakate mit Ölkreide und widmet sich mit großer Begeisterung dem Bemalen von Metall, Plastik, Statuen und irgendwelchen Gegenständen, die er findet. Er lernt den bekannten Graffiti-Künstler L.A.II, der mit bürgerlichem Namen Angel Ortiz heißt, kennen und realisiert zusammen mit ihm verschiedenste Projekte. 1982 hat Haring als bereits bekannter und erfolgreicher Künstler seine erste große Einzelausstellung in der Tony Shafrazi Gallery und im selben Jahr reist er zum ersten Mal nach Europa, wo er an der Documenta 7 in Kassel teilnimmt. Haring übernimmt einen Auftrag, bei dem es um eine Werbung für den Time Square geht.

Dazu malt er einzelne Bilder, die zu einem 30 Sekunden langen Videoclip zusammengefasst werden. Dieser Clip ist über einen Monat lang auf dem Time Square zu sehen. 1983 lernt Haring den Pop-Art-Künstler Andy Warhol kennen. Sie werden Freunde und Haring malt für ihn die Andy Mouse, eine Mischung aus Andy Warhol und Mickey Mouse. Weitere Projekte realisiert Haring zusammen mit L.A.II. Die beiden Künstler reisen mit ihren Werken durch die Welt und verewigen sich auf diversen Wänden und Mauern, unter anderem in Rio de Janeiro, London, Tokio, Sydney und Melbourne. Haring beteiligt sich an der Whitney Biennale und an der Biennale von Sao Paulo.

Gleichzeitig nimmt Haring immer häufiger Werbeaufträge an. So entwirft er beispielsweise einen Werbespot für ein Kaufhaus in Zürich und entwickelt Designs für einen großen Schweizer Uhrenkonzern. Außerdem nimmt er Auftragsarbeiten von zahlreichen Nachtclubs an.1985 entdeckt Haring die Leinwand für sich. Als mittlerweile weltbekannter Künstler zeigt das Museum für zeitgenössische Kunst in Bordeaux seine Werke in einer Einzelausstellung und Haring nimmt an der Biennale in Paris teil. Im Folgejahr modelliert Haring drei große Skulpturen, gestaltet Wände in Phoenix, Amsterdam, Paris und am Berliner Checkpoint Charlie und bemalt als Bodypainter Grace Jones für ihr Video zu „I‘m not perfect“.

Im selben Jahr eröffnet er außerdem seinen Pop Shop, einen Laden, in dem bis 2005 seine Werke und Vervielfältigungen davon verkauft werden.  1987 hat er weitere Einzelausstellungen, unter anderem in Antwerpen und Helsinki. Der homosexuelle Künstler engagiert sich bei verschiedenen Benefizaktionen gegen Aids und nutzt seine Kunst, um auf die Situation der an Aids Erkrankten hinzuweisen. 1988 erhält er selbst die Diagnose, HIV positiv zu sein. Er sagt der Immunschwächekrankheit den Kampf an und versucht, die Diagnose in seinen Bildern zu verarbeiten.

Er reist nach Tokio, wo er Straßenschilder und Werbeplakate malt und einen weiteren Pop Shop eröffnet, der allerdings recht bald wieder geschlossen wird. Er setzt sich für Kinder ein, malt mit ihnen beispielsweise die berühmten Wandbilder in Atlanta und Chicago. 1989 engagiert er sich in einer großen Kampagne für die Aids-Vorsorge, propagiert Safer Sex und gründet mit der Keith Haring Foundation eine gemeinnützige Stiftung, die sich sozialen Projekten widmet.

Während seiner gesamten Karriere, vor allem aber zwischen 1982 und 1989, war es dem Künstler ein großes Anliegen, die Öffentlichkeit mit seiner Kunst zu erreichen. Ihn interessierten einerseits die Meinungen der Betrachter, andererseits wollte er den Menschen aber auch eine Freude machen. Ihm war es wichtig, Kunst für alle zugänglich zu machen und oft nutzte er seine Werke auch für soziale oder gesellschaftliche Botschaften. So gibt es verteilt über die ganze Welt mehr als 50 öffentliche Kunstwerke und viele von ihnen sind für Krankenhäuser, Kindertagesstätten und karitative Einrichtungen entstanden. Trotz seiner Berühmtheit nahm er immer wieder auch Aufträge an, die ihm kaum Geld einbrachten, von denen er aber wusste, dass sie andere erfreuen würden.

Ein Beispiel hierfür sind 20.000 Poster, die Haring für bedürftige Kinder in Afrika druckte.Als sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechtert, malt Haring noch einige Bilder, die sich mit dem Tod auseinandersetzen. Am 16. Februar 1990 verliert Keith Haring seinen Kampf gegen die Aids-Erkrankung.

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