Infos und Tipps, um Lead- und Back-Vocals abzugrenzen

Infos und Tipps, um Lead- und Back-Vocals abzugrenzen  

Vor allem in der Hook, im Refrain und im Chorus werden häufig mehrere Stimmen übereinander gelegt. Allerdings kann es dann durchaus passieren, dass das Lead-Vocal, also die Hauptstimme, zu sehr mit den Back-Vocals, das sind die Chorstimmen im Hintergrund, verschwimmt.

In diesem Fall stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten es gibt, um die Back-Vocals tatsächlich weiter in den Hintergrund zu rücken und die Aufmerksamkeit stärker auf die Lead-Vocals zu lenken.

Im Wesentlichen stehen hierfür drei Methoden zur Auswahl.

Welche dies sind, erklärt die folgende Übersicht mit Infos und Tipps, um Lead- und Back-Vocals voneinander abzugrenzen: 

Den Klang regeln.

Eine recht einfache, aber sehr effektive Möglichkeit, um die Chorstimmen etwas weiter in den Hintergrund zu rücken, besteht darin, ihre hohen Frequenzen abzusenken. Damit wird ein natürliches Phänomen aus dem Bereich der Physik genutzt, das vermutlich jeder schon einmal selbst erlebt hat. Dröhnt laute Musik aus einem fahrenden Auto, sind zunächst nur die Bässe zu hören.

Erst wenn das Auto in unmittelbarer Nähe ist, ist der gesamte Song mit allen Frequenzen zu hören und wenn das Auto vorbeigefahren ist, bleiben eine Zeit lang wieder nur noch die Bässe als hörbare Geräusche übrig. Je weiter ein Geräusch entfernt ist, desto dumpfer wird also der Klang wahrgenommen. Dieses Phänomen lässt sich auch beim Abmischen von Songs nutzen. Werden nämlich die hohen Frequenzen der Chorstimmen abgesenkt, nimmt sie das menschliche Gehör so wahr, als wären sie weiter entfernt.

In der Folge lenkt es die Aufmerksamkeit auf die Lead-Vocals, die näher wirken. Um den Effekt noch zu verstärken, können den Back-Vocals aber auch die Frequenzen entzogen werden, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Diese Frequenzen bewegen sich bei menschlichen Stimmen zwischen 400 und 800 Hz sowie zwischen 2 und 4 kHz.

Besonders deutlich wirkt dieser Effekt dann, wenn den Back-Vocals diese Frequenzen entzogen und gleichzeitig bei den Lead-Vocals angehoben werden. Kennzeichnet sich die Hauptstimme durch bestimmte Frequenzen, ist es aber auch wirkungsvoll, wenn genau diese Frequenzen bei den Chorstimmen heruntergeregelt werden. Eine weitere Möglichkeit für eine sehr deutliche Abgrenzung besteht darin, den Chorstimmen Frequenzen bis etwa 1 kHz mithilfe eines Hi-Pass-Filters zu entziehen.

Allerdings wirkt der Klang dann mitunter ein wenig künstlich.   

Die Dynamik bearbeiten.

Die zweite Möglichkeit, um Haupt- und Chorstimmen voneinander abzugrenzen, besteht darin, die Chorstimmen stärker zu komprimieren und ihnen damit die Dynamik zu nehmen. Das menschliche Gehör fokussiert sich nämlich wesentlich stärker auf dynamische, als auf undynamische und flache Geräuschquellen.

Um den Back-Vocals die Dynamik zu nehmen, bietet sich je nach Song ein Kompressor mit einer Ratio zwischen 8 bis 20 zu 1 an. Damit die Komprimierung möglichst schnell einsetzt, muss der Attack dann aber auch entsprechend schnell eingestellt werden. Verfügt der Kompressor über einen Sidechain-Ausgang, wäre eine weitere Möglichkeit, die Lautstärke der Back-Vocals mittels Ducking durch die Hauptstimme zu verändern.  

Ein Panorama nutzen.

Bei einer Live-Aufnahme steht der Chor in den meisten Fällen etwas seitlich versetzt und mit einigen Metern Abstand hinter dem Sänger. Durch den Einsatz eines Panoramas kann diese Anordnung imitiert werden. Damit es wirkt, als stehe der Chor hinter dem Sänger, wird zum einen die Positionierung der Pan-Potis genutzt. Zum anderen werden die Erstreflexionen im Halleffektweg entsprechend eingestellt.

Während die Hauptstimme mittig in dem Panaroma angeordnet wird, werden die Chorstimmen zu den Seiten hin positioniert. Der Halleffekt lässt sich dann übrigens wieder mit Physik erklären. Der direkte Schall kommt schneller im menschlichen Gehör an als die Erstreflexionen des Lead-Vocals. Gleichzeitig ist bei den Back-Vocals die Differenz zwischen dem direkten Schall und seinen Erstreflexionen kleiner als bei der Hauptstimme, bei der der Abstand zu den Zuhörern geringer ist.

Dabei kann der Parameter für die Erstreflexionen bei nahezu jedem Hall-Effektgerät entsprechend eingestellt werden.      

In den meisten Fällen wird es allerdings nicht ausreichen, nur eine dieser drei Möglichkeiten einzusetzen, um die Lead- und die Back-Vocals deutlich voneinander abzugrenzen. Vielmehr wird es häufig notwendig sein, die Methoden miteinander zu kombinieren, um einen Mix zu erreichen, der dem Niveau von professionell abgemischten Songs entspricht.

Dabei sind die genannten Effekte aber letztlich Werkzeuge, die ohnehin jeder kennen und beherrschen sollte, der sich näher mit der Produktion von Songs beschäftigen möchte. Insbesondere im HipHop kommt den Vocals aber noch eine besondere Bedeutung zu, denn neben den Beats sind sie nicht selten ein zentrales und entscheidendes Element, das entsprechend sorgfältig bearbeitet werden will.

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