Überblick über die Geschichte und die Stile beim B-Boying

Überblick über die Geschichte und die Stile beim B-Boying 

Wenn jemand von HipHop spricht und sich dabei auf das Tanzen bezieht, dann meint er damit meist das Tanzen auf HipHop-Musik. Wenn ein echter HipHoper jedoch von HipHop spricht, dann beschreibt er damit eine Kultur und eine Lebenseinstellung.

HipHop als Kultur basiert auf den vier Säulen MC’ing, DJ’ing, Writing und B-Boying und in jeder der Säulen sind Kreativität und Individualität wichtige Faktoren.

Stile beim B-Boying

Dies bringt mit sich, das sich die Stile im Laufe der Zeit verändern und kontinuierlich weiterentwickeln. Um die Kultur und die damit verbundenen Lebenseinstellungen zu verstehen, ist es aber wichtig, auch die Wurzeln zu kennen.

Bezogen auf das Tanzen hier daher ein Überblick
über die Geschichte und die Stile beim B-Boying:

Die Anfänge des B-Boying

In den 1980er-Jahren erfanden die Medien die Bezeichnung Breakdance für einen Tanzstil, den Laien in erster Linie anhand der akrobatischen Elemente erkannten. Ursprünglich hieß diese Tanzform B-Boying und bis heute ziehen viele Tänzer diesen Namen vor.

Als das B-Boying entstand, bildete Funkmusik die Grundlage. Allerdings wurden die Gesangsparts in den Songs nach Möglichkeit ausgeblendet und dadurch ergab sich der Breakbeat. Beim Breakbeat wird dann der Instrumentalteil des Songs, der sogenannte Breakdown, verlängert, indem er mithilfe von zwei gleichen Tracks und zwei Plattenspielern wiederholt wird. Diese Wiederholungen heißen Loops und bilden eine ideale Basis für die Tänzer. Das B im B-Boying kommt übrigens auch hierher, denn B steht für Break. 


Die Tänzer kombinierten nun nicht nur unterschiedliche Tanzarten miteinander, sondern tanzten im Unterschied zu anderen Tanzstilen sowohl im Stehen als auch auf dem Boden und damit auf zwei Ebenen. Dabei führten die Kreativität und die Individualität der einzelnen Tänzer dazu, dass einige überwiegend im Stehen tanzten und nur gelegentlich Moves auf dem Boden einbauten, während andere nach einer kurzen Einleitung im Stehen nahezu ausschließlich den Boden nutzten.

 

Popping, Boogaloo und Locking

Popping, Boogaloo und Locking sind Tanzstile, die zum Breakdance gehören, heute aber auch als die Funkstyles bezeichnet werden. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass auf Funkmusik getanzt wurde, als sich die Stile in den 1970er-Jahren entwickelten. Das Locking geht auf Don Campell zurück und hieß deshalb ursprünglich auch Campellocking. 

Bei diesem Stil wird mit schnellen Stops und gestenreichen Moves getanzt, der Tänzer grinst meist und trägt oft ein Kostüm, das an einen Clown erinnert. Das Popping geht auf einen jungen Tänzer namens Sam zurück. Sam hatte zu Hause trainiert, als ihn sein Onkel dazu aufforderte, den Boogaloo zu machen. Die Frage, was denn der Boogaloo sei, beantwortete der Onkel mit einfach abzugehen. Seitdem wurde Sam nur noch Boogaloo Sam und sein Tanzstil Boogalooing genannt.

Popping und Boogalooing werden heute vielfach synonym verwendet und beschreiben einen Tanzstil, der sich durch roboter- und puppenähnliche oder abgehackte Bewegungsabläufe kennzeichnet. Mit der Entwicklung der Elektromusik Anfang der 1980er-Jahre entstand auch eine neue Popping-Generation. Unzählige Tänzer ließen sich von Michael Jackson-Videos wie „Bad“, „Beat It“, „Ghost“ oder „Thriller“ inspirieren.

Dabei war es vor allem Poppin‘ Taco, der Michael Jackson 20 Jahre lang trainiert und damit großen Anteil an seinem heute als unverkennbar geltenden Tanzstil hatte. Michael Jackson tanzte einen Stil, der zwar neu und einzigartig, aber vom Popping und Locking inspiriert war.

Hier mal ein Video zu Electric Boogaloo:



New Jack Swing und NewStyle

Zwischen dem, was heute als Oldschool und Newschool bezeichnet wird, entwickelte sich ein Tanzstil, der New Jack Swing oder auch Hype Dance genannt wird. Auf wen dieser Tanzstil zurückgeht, ist nicht ganz klar, aber der Produzent Teddy Riley war einer derjenigen, der ihn entscheidend prägte. Seinerzeit angesagte Musiker und Tänzer, zu denen unter anderem Paula Abdul, Bobby Brown und MC Hammer gehörten, machten den Tanzstil berühmt.

Beim New Jack Swing, der vom Charleston inspiriert ist, sind die Tänzer die ganze Zeit in Bewegung, arbeiten viel mit ihren Beinen und verbreiten gute Laune. Generell war dies aber auch die Zeit, in der Musikvideos großen Einfluss darauf nahmen, wie sich die Tanzstile weiterentwickelten und so waren in den Videos zunehmend Tanzstile zu sehen, in die Elemente aus beispielsweise dem Modern- oder dem Jazzdance eingeflossen waren.Gleichzeitig entwickelte sich in den Clubs der HipHop-Dance als Tanzstil.

Musikgrößen wie A Tribe Called Quest, K-Os, LL Cool J oder Run DMC brachten die Musik in die Clubs und animierten die Tänzer zu einem Tanzstil, der lockerer und weniger genau war als der Hype Dance und das Popping. Heute wird dieser Tanzstil auch NewStyle als Kurzform für New York Style genannt. Dies hat den Grund, dass die Elite Force aus New York die ersten waren, die den Tanzstil in ihren Musikvideos zeigten und damit bekannt machten.

Der NewStyle kennzeichnet sich dadurch, dass er zwar ebenso wie die anderen Tanzstile im B-Boying prägende Grundschritte hat, aber erlaubt, diese Grundschritte frei zu interpretieren. Eine andere Bezeichnung für den NewStyle ist neben HipHop-Dance auch Freestyle.  

 

LA-Style, Streetdance, Housing und Krumping

Im Laufe der Zeit sind immer mehr Elemente aus dem Jazzdance eingeflossen. Gleichzeitig hat sich der HipHop zunehmend der Popmusik angenähert, vermutlich um die Musik damit massentauglicher und kommerziell erfolgreicher zu machen.

Der Tanzstil, der in den Videos von heutigen Künstlern wie Justin Timberlake, Omarion oder Usher zu sehen ist, wird LA-Style genannt. Wenn vom Streetdance die Rede ist, so sind damit zunächst einmal sämtliche Tanzstile gemeint, die auf der Straße erfunden wurden und getanzt werden. Aber nachdem viele Tanzstile des B-Boying in Tanzschulen Einzug gehalten haben und hier in allen Einzelheiten unterrichtet werden, werden sie oft nicht mehr dem Streetdance im eigentlichen Sinne zugeordnet. Hinter dem Housing verbirgt sich ein Tanzstil, der zusammen mit der melodischen House-Musik, dem Deep House und dem Vocal House in den 1980er-Jahren entstand und seine Wurzeln in den New Yorker Clubs hat.

Beim Housing wird viel mit den Beinen gearbeitet, aber weil der Tänzer hauptsächlich auf seinen Fußballen tanzt, wirkt es, als würde er über die Tanzfläche schweben. Weitere charakteristische Merkmale vom Housing sind schnelle Schritte mit häufigem Tempowechsel, weiche Steps, Schritte aus dem Stepp und dem afrikanischen Tanz sowie Floor-Moves aus dem Breakdance, und das alles abgestimmt auf den House-Beat.  Zu den neueren Varianten vom Streetdance gehört das Krumping, das auf das Clowning zurückgeht.

Thomas Johnson, bekannt als Tommy the Clown, trat in den Armenvierteln von Los Angeles als HipHop-Clown auf und wurde dadurch schnell zu einem Vorbild für viele Kinder und Jugendliche. Also gründete er die Clown-Dance-Academy, in die auch Tight Eyez und Lil C kamen. Einige Zeit später wandten sie sich aber vom Clowning ab und erfanden das Krumping.

Beim Clowning geht es vor allem um Unterhaltung, Spaß und Party, die Tänzer arbeiten mit Dance Moves, tragen Clownskostüme und haben bunt bemalte Gesichter. Im Gegensatz dazu wird beim Krumping mit ausdrucksstarken, explosiven und mitunter aggressiven Moves gearbeitet, die ihre Wurzeln in afrikanischen Stammestänzen haben. Sofern es eine Gesichtsbemalung gibt, erinnert diese nicht an lustige Clowns, sondern vielmehr an eine Kriegsbemalung.

Mittlerweile ist das Krumping, das in Europa durch den Film „Rize“ und auch Musikvideos von beispielsweise Christina Aguilera oder den Chemical Brothers bekannt wurde, ein fester Bestandteil bei HipHop-Battles.

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