Infos zum Brasilianischen HipHop

Infos zum Brasilianischen HipHop 

Die brasilianische HipHop-Bewegung gehört heute mit zu den größten HipHop-Bewegungen weltweit. Dennoch steht Brasilianischer HipHop im Schatten von beispielsweise dem HipHop, der aus Nordamerika oder auch aus Europa kommt.

Grund genug, sich einmal näher mit dem Brasilianischen HipHop zu beschäftigen.Die Wurzeln des HipHop liegen in den 1970er-Jahren, als Einwanderer mit afrikanischen und spanischen Wurzeln ihr neues zu Hause in den Ghettos von New York fanden. 

Sie vereinten Breakdance, Rap, das DJ’ng und Graffiti zu einer gemeinsamen Kultur, die es ihnen ermöglichte, ihren Protest gemeinschaftlich und gleichzeitig in künstlerisch-ästhetischer Form zum Ausdruck zu bringen.

So tanzten sie gegen den Frust, Sprayer brachten ihren Ärger in Form von Bildern an Hauswände und Rapper wiesen in ihren Songs auf Lebensumstände hin, die von Diskriminierung, fehlender Chancengleichheit, drohender Gewalt und Arbeitslosigkeit geprägt waren. Damit brachten sie Themen zur Sprache, die auch dunkelhäutige Brasilianer nur zu gut kannten und teils bis heute kennen. Nach Brasilien gelangte der HipHop dann Mitte der 1980er-Jahre. Zunächst waren es nur eine Hand voll Jugendliche aus den Randgebieten der Millionstadt São Paulo, bekleidet mit bunten Klamotten und großen, dunklen Sonnenbrillen.

Sie trafen sich an den Wochenenden und in den Mittagspausen in der Avenue 24 de Maio und tanzten zu den elektronischen Rhythmen, die laut aus ihren Ghettoblastern schallten. Seinerzeit wurden sie noch als B-Boys bezeichnet, später wurden sie dann zu Breakdancern.  

 

Musik als Protest 

Auch in Brasilien war es keine neue Erscheinung, Musik als Mittel zu verwenden, um Protest auszudrücken und seine Identität zu finden. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Samba eingesetzt, um sich über die Armut zu beklagen und in den 1970er-Jahren gab es in São Paulo die sogenannten Bailes Black. Dies waren Tanzveranstaltungen, die regelmäßig mehrere Tausend Besucher verzeichneten. Neu war aber, dass es jetzt nicht mehr nur afrikanische und brasilianische Rhythmen waren, die die Menschen auf die Tanzfläche lockten, sondern stattdessen internationaler Funk und Soul.

Diese Musik, die zum größten Teil aus den USA stammte und als Black Music bezeichnet wurde, nahm ungeachtet aller Landesgrenzen großen Einfluss auf das ethische Bewusststein der schwarzen Bevölkerung. Sie fanden in der Musik ein Element, das für ihre gemeinsame Herkunft und ihre kulturelle Identität stand. 

Es dauerte nicht lange, bis auch die Zeitungen, Zeitschriften, Fernseh- und Radiosender erkannten, dass der Breakdance eine internationale, politische Bewegung einläutete. Die Maschinerie, die daraufhin in Gang gesetzt wurde, führte sehr schnell dazu, dass es nicht mehr nur junge, schwarze Jugendliche waren, die sich bei den Bailes Black den Frust von der Seele tanzten. Auch Jugendliche, die sich eigentlich nicht für Politik interessierten, waren von den neuen Kunstrichtungen begeistert und schon bald gab es auch die ersten Rap-Gruppen. 

 

Rap-Gruppen  

Die HipHop-Bewegung breitete sich zunehmend aus und erreichte vom Zentrum aus auch die übrigen Stadtteile São Paulos. Dies wiederum führte dazu, dass sich mehrere Rap-Gruppen aus einem Stadtteil zu Possen zusammenschlossen. Die erste brasilianische Posse hatte den Namen Sindicato Negro, Schwarze Gemeinschaft, und orientierte sich an der Zulu Nation, jeder US-Posse, die Afrika Bombaata in den 1970er-Jahren in New York gegründet hatte. Die neue Form des politischen Widerstands auf ästhetischem und künstlerischem Niveau blieb auch den etablierten Organisationen des Movimento Negro Unificado, der Vereinigten Schwarzen Bewegung oder kurz MNU, nicht verborgen. Einige dieser Organisationen, die nicht der Regierung angehörten, nahmen Kontakt zu den Mitgliedern der brasilianischen HipHop-Szene auf.

Damit sprachen sie eine Zielgruppe an, in der es dunkelhäutige Menschen gab, die bis dahin teilweise überhaupt nicht gewusst hatten, dass es solche Organisationen gab. Fortan arbeiteten die MNU und die HipHop-Szene zusammen und kreierten damit in Brasilien Plattformen, die auf neuartige Art und Weise politische Arbeit, Aufklärung und Kunst miteinander verbanden. 

 

HipHop Kategorien 

Heute lässt sich der Brasilianische HipHop in zwei Kategorien einteilen. Auf der einen Seite steht der ernsthafte, traditionelle HipHop, der sich kritisch mit sozialpolitischen Themen auseinandersetzt und die Geschichte der Schwarzen in Brasilien erzählt. Auf der anderen Seite steht jener HipHop, der Geschichten aus dem Alltag der schwarzen Jugendlichen erzählt, dessen Texte aber deutlich sexistischer und Gewalt verherrlichender sind, als die Texte des nordamerikanischen Gangsta Rap.

Letztere Szene ist zudem teils eng mit dem organisierten Verbrechen verflochten, was zur Folge hat, dass sie von den großen Radiosendern trotz des großen Erfolgs kaum berücksichtigt wird. Insgesamt lässt sich der Stil des Brasilianischen HipHop als eine Mischung aus schnellen elektronischen Beats, über die gerappt wird, und traditionellen brasilianischen Schlagzeugrhythmen beschreiben.

 

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