Grundwissen: der Blues

Grundwissen: der Blues 

Fernab ihrer Heimat Afrika schufteten sie als Sklaven auf Baumwollplantagen. Um die harte Arbeit und ihre schwierige Lebenssituation erträglicher zu machen, begannen sie, einfache Songs zu singen, die von Liebe, Sehnsucht und Leid erzählten.

Damit erschufen sie ein neues Musikgenre: Der Blues war geboren. Heute ist der Blues aus der Musikszene nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig war der Blues Impulsgeber für viele andere Musikrichtungen, darunter auch den HipHop.

Im Sinne von Grundwissen erzählt der folgende Text die Geschichte des Blues: 

Die Geschichte des Blues beginnt auf dem Baumwollfeld.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden unzählige Afrikaner in die USA verschleppt. Sie wurden an die Großgrundbesitzer in den Südstaaten verkauft und mussten hier als Pflücker auf den Baumwollfeldern ackern. Damit sie die harte Arbeit besser ertragen konnten, begannen sie, die Schufterei mit Gesang zu begleiten. Der Rhythmus ergab sich aus der Arbeit mit ihren monotonen, sich permanent wiederholenden Bewegungsabläufen.

Die Texte der Songs handelten von Schmerz, Leid, Sehnsucht nach der Heimat und Liebe. Die melancholische Stimmung der Lieder gab der Musikrichtung schließlich ihren Namen. Wer den Blues hat oder sich blue fühlt, ist wehmütig oder traurig. Für die Baumwollpflücker waren die Songs aber weit mehr als nur die Erinnerung an Afrika und ein Hilfsmittel, um die Situation erträglicher zu machen.

Für sie bedeuteten die Lieder kulturelle Identität und damit ein kleines bisschen Freiheit in der Gefangenschaft. Die Weißen begegneten der Musik mit Verachtung. Doch der Blues setzte sich durch und die einfachen Melodien mit ihren wehmütigen Texten sollten die Musikwelt später noch nachhaltig beeinflussen.  

Das Ende der Sklaverei war der Anfang der Black Music Szene.

Der Amerikanische Bürgerkrieg endete 1865 und damit fand auch die Sklaverei in den USA ihr Ende. Allmählich fingen die Afroamerikaner damit an, sich zu emanzipieren. Es sollte zwar noch sehr lange dauern, bis die einstigen Sklaven und ihre Nachkommen gleichberechtigt waren. Aber wenigstens wurden sie jetzt nicht mehr nur unterdrückt und ausgebeutet, sondern konnten sich zumindest ein bisschen freier entfalten. Anders als zuvor, als sie als Sklaven unbezahlt geackert hatten, wurden sie fortan beispielsweise für ihre Arbeit entlohnt.

Die neue Möglichkeit der freieren Entfaltung führte auch dazu, dass sich eine Szene für Black Music entwickelte. Wer etwas Geld übrig hatte, legte es zur Seite und kaufte sich davon dann ein Musikinstrument. Wer sich das nicht leisten konnte, aber handwerklich geschickt war, nahm den Abfall der Reichen und baute sich daraus ein Instrument. So wurden unter anderem Zigarrenkisten zu Resonanzkörpern von Gitarren oder alte Waschbretter zu Rhythmusinstrumenten. Auch Mundharmonikas wurden zu sehr beliebten Musikinstrumenten, denn sie waren vielseitig einsetzbar, leicht zu spielen und vor allem erschwinglich.

Die Musiker feilten an den einfachen Melodien und wandelten die simplen Arbeiterlieder in eingängige Songs um. Immer mehr Bluesbands wurden gegründet und Scheunen in Konzerthallen umfunktioniert.  

Der Blues erobert Chicago.

Die Wiege des Blues sind die ländlichen Südstaaten. Die Industrialisierung führte aber dazu, dass immer mehr Arbeiter in die großen Städte im Norden der USA zogen. Eines der beliebtesten Ziele war Chicago und schon bald wuchs die Stadt am Michigan See zu einer echten Großstadt heran. Die Hektik, der Lärm, die vielen verschiedenen Menschen und das geschäftige Treiben wirkten sich nicht nur auf die Einwohner aus, sondern beeinflussten auch die Musik.

So entstand in Chicago eine neue Bluesszene mit einem moderneren, urbaneren Sound. Blues-Musiker traten in Clubs auf, erhielten Plattenverträge und landeten große Hits. Ein Beispiel hierfür ist der Song „Good Morning Little Schoolgirl“, der später noch von vielen namhaften Stars gecovert wurde. Auch die Weißen fanden zunehmend Gefallen an der Black Music und der Blues wurde salonfähig. 

Die E-Gitarre beflügelt den Blues erneut.

In den 1920er-Jahren entdeckten die ersten Blues-Musiker die E-Gitarre für sich. Die modernen, neuartigen Klänge der elektrisch verstärkten Gitarre gaben dem Blues frische Impulse. Einen weiteren Schub erfuhr der Blues nach dem Zweiten Weltkrieg. Einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Musiker der modernen Chicagoer Blues-Szene war Muddy Waters, der reihenweise Hits landete und zu einem echten Star wurde.

Die große Beliebtheit des neuen Blues veranlasste viele Blues-Musiker aus den Südstaaten dazu, ebenfalls nach Chicago zu kommen. Bis heute ist Chicago die Hochburg des urbanen Blues. Auch in den Südstaaten lebt der Blues weiter, aber sein Stil ist anders.

So klingt der Blues aus dem Norden moderner und urbaner, während sich der Blues im Süden seine Ursprünglichkeit bewahrt hat. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist die Bluesszene hier auch nach wie vor eine Domäne von afroamerikanischen Musikern. Im Süden gelten Städte wie Memphis und New Orleans als die Hochburgen des ursprünglich geprägten Blues. 

Aus dem Blues entsteht der R‘n‘B.

Der Blues beeinflusste eine ganze Reihe anderer Musikrichtungen. Elemente aus der Folkloremusik, die andere Einwanderer aus ihrer Heimat in die USA mitgebracht hatten, vermischten sich mit Elementen aus dem Blues. Daraus entstanden Musikstile wie Jazz, Soul, Funk, Rock`n`Roll und später auch der HipHop.

Außerdem schaffte der Blues die Grundlage für einen neuen Musikstil, nämlich den Rhythm‘n‘Blues, kurz R‘n‘B. Dieser Sound wiederum löste vor allem in den 1960er-Jahren auch außerhalb der USA eine große Welle der Begeisterung aus. Hauptsächlich in Großbritannien sahen die R‘n‘B-Musiker die Chance, sich mit ihrer Musik vom kommerziellen Mainstream-Sound abzugrenzen.

Sie orientierten sich an den frühen Blues-Musikern und machten diese zu ihren Vorbildern. Dies wiederum kam in den USA, der Heimat des Blues und angesichts seiner Entstehungsgeschichte, sehr gut an. Die US-Musiker hingegen schlossen sich dem regelrechten Boom nicht an, sondern besannen sich auf ihre Wurzeln und blieben ihrer Black Music treu.

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